Wir sind nicht getrennt – wir sind Teil des Ganzen

Ich kann mich an einen Moment in meiner Kindheit erinnern.

Ich lag abends in meinem Bett und es kam mir ein Gedanke, der mich diesen Moment bis heute in Erinnerung behalten lässt. Ich konnte nur an eine Sache denken:

Ich bin wirklich hier.

Ich kleiner Mensch auf diesem riesigen Planeten in einem noch riesigeren – endlosen – Universum.

Es war, als wäre mir in diesem Moment bewusst geworden, wie unfassbar klein ich war. Dass das Ausmaß dessen, was mich umgab, gar nicht zu begreifen war.
Und ich war hier – mittendrin.

Für mich war es ein magischer Moment. Wenn auch etwas beängstigend.
Ein Moment, der sich nicht erklären lässt – nur fühlen.

Die Kräfte, die alles tragen

Manchmal bemerke ich, wie wertvoll es ist, noch einmal dorthin zurückzukehren.
Zu diesem Staunen und Innehalten.

Zu der Frage:

Wie kann es eigentlich sein, dass all das existiert?

Dass genau hier an diesem Punkt im Universum Bedingungen herrschen, die Leben möglich machen. Dass so vielfältige Faktoren in einem so feinen Zusammenspiel wirken, dass jedes Jahr aufs Neue etwas wächst, sich entfaltet, vergeht – und dann wieder neu entsteht.

Das Licht und die Wärme der Sonne, die lebenspendenden Eigenschaften von Wasser und Luft, der nährende Boden – der alles trägt und verwandelt…

Es wirkt fast wie ein Zufall.
Und gleichzeitig wie etwas, das einer tieferen Ordnung folgt.

Mit jedem Ende wird etwas Neues geboren

Was wir oft einfach nur „Natur“ nennen, ist in Wahrheit etwas viel Größeres. Ein sensibles und gleichzeitig kraftvolles System, das es bislang immer geschafft hat, von selbst ins Gleichgewicht zurückzufinden.

So viele Kräfte wirken in ihr – ununterbrochen, verlässlich, ohne unsere Aufmerksamkeit zu beanspruchen.

Mit welcher Kontinuität und Selbstverständlichkeit uns die Natur mit Energie versorgt, wird manchmal erst dann bewusst, wenn sie uns wieder genommen wird.

Zum Beispiel wenn uns Naturkatastrophen treffen. Unkontrollierbar, zerstörerisch, Tod bringend.

Yin und Yang – das Gleichgewicht des Lebens

Neben Wachstum, Leichtigkeit und Freude erfahren wir auch Rückzug, Veränderung und Schmerz.

Yin und Yang – Gegensätze, die sich nicht ausschließen, sondern bedingen.
So wie Tag und Nacht.
So wie Einatmen und Ausatmen.

Manchmal liegen Glück und Leid so nah beieinander, dass das (aus-)Halten dieser Gegensätze beinah unmöglich erscheint. Aber genau in diesem Spannungsfeld entsteht das, was wir Leben nennen.

Ein Teil des Ganzen

Das, was in der Natur geschieht, geschieht auch in uns. Und doch leben viele von uns, als wären sie davon getrennt. Als würden wir neben der Natur existieren – statt in ihr.

Dabei ist Natur nichts Losgelöstes. Nicht nur ein Lebensraum, in dem wir uns bewegen.

Sie ist Energie.

Dieselbe Energie, aus der auch wir sind.

Wir sind nichts anderes als ein Teil von ihr.
Nicht mehr.
Und nicht weniger.

Eingebettet in denselben Kreislauf aus Werden und Vergehen.
In dieselbe Bewegung, die alles Lebendige durchzieht.

Die Weisheit der Natur

Wenn wir uns die Zeit nehmen, etwas genauer hinzuschauen – eine Weile zu beobachten – können wir von ihr lernen.

Denn die Natur kämpft nicht gegen diesen Rhythmus.

Sie folgt ihm.

Das ist Weisheit.
Eine Weisheit, die jedes Lebewesen in sich trägt.

Und wir dürfen lernen, wie wir diese Weisheit in uns integrieren.

Weniger Widerstand.
Weniger Kontrolle.

Nicht weil wir aufgeben – sondern weil wir ein tiefes Vertrauen in das entwickeln, was sich ohnehin bewegt.

Uns dem Leben hingeben. Mit ihm fließen…

Letztlich haben wir nicht nur ein Leben.

Wir SIND Leben.

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