Wenn wir aufhören wegzulaufen – und Frieden wieder möglich wird

Es gibt etwas, das jeder von uns auf seine eigene Weise sehr gut beherrscht: Weglaufen.

Weglaufen vor Gefühlen, die im Moment zu intensiv erscheinen. Vor innerer Unruhe, dem Lärm im Kopf. Vor Schmerz, den wir irgendwann als zu viel abgespeichert haben.

Die Eigenschaft des intensiven Wahrnehmens – eine ausgeprägte Sensibilität – hat uns früh lernen lassen, uns selbst zu schützen. Nicht aus Unfähigkeit, sondern weil die Welt für uns zu laut war. Wenn wir Stimmungen, Worte, Erwartungen tief in uns aufnehmen, kann sich Rückzug manchmal wie die einzige Lösung anfühlen. Und so beginnen wir, uns innerlich von dem abzuwenden, was eigentlich gefühlt werden will.

Doch was, wenn wir genau dort etwas wiederfinden könnten, das wir längst aufgegeben hatten?

Frieden.

Wenn der Weg zu Ruhe und innerem Frieden nicht am Schmerz vorbeiführt – sondern durch ihn hindurch?

Der Moment, in dem wir stehen bleiben

Vielleicht liegt der Schlüssel zum Frieden gar nicht darin, sich dauerhaft glücklich zu fühlen – nie den Schmerz oder innere Leere spüren zu müssen. Sondern vielmehr darin, den Kampf gegen sich selbst zu beenden.

Anstatt unsere Gefühle zu verurteilen und wegzusehen, könnten wir versuchen, sie da sein zu lassen. Hin spüren. Und uns sagen: Okay, so ist es eben jetzt. Dann bleiben wir bei der Enge in der Brust. Bei der Unruhe im Bauch. Bei der Traurigkeit, die in Wellen an die Oberfläche schlägt. Und ja – da wird zuerst Schmerz sein. Oder Hoffnungslosigkeit. Das Gefühl von ich halte das nicht aus.

Doch etwas Entscheidendes geschieht, wenn wir uns nicht wieder sofort ablenken: Annahme. Und indem wir uns darin üben, uns anzunehmen – das Leben anzunehmen – schaffen wir Raum.

Raum, in dem unsere Seele wieder atmen kann. Weil wir bereit sind, ihr zuzuhören. Diese Bereitschaft lässt auf eine sanfte, fast magische, Weise die Stille zurückkehren. Die Stille, nach der wir uns so sehnen. Die Ruhe im Kopf.

Klarheit.    

Schmerz, der uns den Weg weist

Wir haben gelernt, Schmerz zu vermeiden. Ihn zu analysieren, zu kontrollieren oder möglichst schnell loszuwerden.

Doch was, wenn Schmerz nicht bestraft – sondern leitet? Als Hinweis. Darauf, dass wir das Wesentliche aus dem Blick verloren haben. Unsere Wahrheit. Unsere Grenzen. Das, was wir wirklich sind und was uns in unserer Tiefe entspricht.

Der Schmerz führt uns zurück. Dorthin, wo wir unsere Wahrheit wiederfinden. Wo Tiefe möglich ist. Und wo wir nicht mehr funktionieren müssen, sondern einfach sein dürfen. So wie wir sind. Mit allem, was wir sind. Licht und Schatten.

Dieser Weg ist anders als der Kampf, den wir bisher kannten. Er ist intensiv und dennoch sanft. Er ist leise, langsam und zutiefst menschlich. Ohne Druck. Ohne Selbstoptimierung oder das Gefühl besser oder anders werden zu müssen. Es reicht, wenn wir bereit sind, hinzuschauen. Zu bleiben, wo wir uns bislang selbst verlassen haben.

Denn Frieden entsteht nicht dadurch, dass wir uns verändern. Sondern dadurch, dass wir uns erlauben, mit allem da zu sein.

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